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Votivzeichnung Dorfener MadonnaAlles über die Madonnenstatue in der Dorfkapelle und Forschungsergebnisse über die Herkunft 

 

 

 

 

 

Hans Wrba schreibt im 12. Band im Jahr 1995 „Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham“ über Maria Dorfen Bilder im Landkreis Cham:

Auf den Seiten 143 bis 150 beschreibt Wrba 3 Beispiele, so z. B. Schorndorf, Loibling/Katzbach und die Lamerkapelle bei Warzenried.
 
Als Quelle benutzt Wrba die Dissertation von Dr. Albrecht A. Gribl, „Unsere Liebe Frau zu Dorfen“, Dorfen erschienen 1981.
 
Das Dorfener Gnadenbild auf dem Ruprechtsberg in Maria Dorfen selber ist eine fast lebensgroße thronende sitzende Muttergottes, die das Jesuskind auf dem Knie hält. (siehe untenstehendes Foto)



Es handelt sich um eine Schnitzerei aus der Spätgotik um 1480. Das Gnadenbild hatte festliche Kleider und ist nur an dieser als Dorfener Madonna zu erkennen. (siehe unten) 



Die Kennzeichen des Gnadenbildes sind geschmückte Rosenkränze und als Halsschmuck ein Herz bzw. in der rechten Hand haltend eine Lilie. (Wrba schreibt von einer Nelke). Weiteres Kennzeichen ist die Radmanschette an der linken Hand des Bildnisses. (siehe unten).



Diese Charakteristiken der Marienbilder aus Dorfen treffen auch für die in unserer Heimat zu. Bekannt waren aber ausschließlich gemalene Bilder auf Holz oder in Öl, oder auf Metall oder Wallfahrermedaillen (Zwitterpfennige) oder Kupferstiche.



Und gerade hier beginnt die eigenartige Besonderheit der Dorfner Madonna in Katzbach. Denn diese ist kein Bild, sondern eine Holzplastik, die aber genau die selben Merkmale aufweist wie die bekannten Abbildungen. Bis heute sind nur 4 geschnitzte Dorfnerinnen bekannt, einmal die aus Götting bei Rosenheim, einmal die vom Kuglhof bei Obernried (unten) 



dann die in der Katzbacher Kapelle und eine Nachbildung im Privatbesitz von Ederer Josef in Katzbach 33. (oben)

Wie ist es zu erklären, dass von 4 bekannten Plastiken 2 geschnitzte Figuren nur 1 km voneinander entfernt sind?   

Dass Gnadenbilder aus Maria Dorfen (Landkreis Erding) in den relativ weit entfernten Landkreis Cham gelangt sind, kann folgendermaßen gedeutet werden: Erklärbar ist das mit den sogenannten Mehrortswallfahrten. Das heißt: Die Wallfahrer sind z. B. von hier aus nach Altötting gezogen und dann weiter nach Maria Dorfen und wieder zurück. In der Blütezeit des Wallfahrtswesens waren große Anstrengungen der Wallfahrer durchaus üblich. Böhmische Pilger haben hier nachweislich in einer einzigen Wallfahrt Neukirchen Hl. Blut, Altötting und Maria Dorfen und sogar teilweise noch die Wieskirche bei Steingaden besucht.

Festzustellen bleibt, dass im 18. Jahrhundert auch die Katzbacher Madonna ihren jetzigen Standort gefunden hat und vermutlich von Pilgern hierher gebracht wurde. Oder aber durch Mitglieder der äußerst regen und großen Rosenkranzbruderschaft von Dorfen in unsere Gegend kam. Denn im Mirakelbuch IV von 1781 bis 1793 (Seite 504 im Buch von A. Gribl)  ist ein/e Wallfahrer/in aus Kühberg bei Ränkam aufgelistet. Namentlich wurde der/die Wallfahrer/in leider nicht erfasst.  

Durch eine weitere merkwürdige Tatsache könnte ein Zusammenhang hergestellt werden zwischen den beiden Abbildern von Katzbach und dem Kuglhof:

Am 28. 08.1797 hat die Bauerstochter Anna Maria Iglhaut aus Ränkam Michael Johannes Hausner von Kuglhof geheiratet. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Ränkam nur eine Häuslersfamile Iglhaut Wolfgang und Magdalena, geb. Schollerer, verwitwete Schneider.
Am 5. Februar 1778 wird in Ränkam dem Häusler Wolfgang Iglhaut und seiner Ehefrau Magdalena, deren Vater Michael Schullerer von Arnschwang eine Tochter Anna Maria geboren. Taufpatin ist Elisabeth Hausladin, Halbbäuerin in Degelberg. Die Eltern haben am 27.06.1774 in Arnschwang die Ehe geschlossen. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang, vielleicht hat sie die geschnitzte Madanna auf den Kuglhof mitgebracht?

Ebenso laut Mirakelbuch II (1729) und Mirakelbuch IV (1781/93) sind Wallfahrer aus unserer Gegend nach Maria Dorfen gezogen, wie die Karten 3 und 4 aus dem Buch Gribl beweisen.



Zeitnah, nämlich im Jahr 1737 ist erstmals die Katzbacher Kapelle erwähnt. (Briefprotokoll Waldmünchen Nr. 179 fol. 84 v. 14. 10. 1737). Vermutlich war sie vorher noch ein Bildstock, denn die Kapelle wurde irgendwann über diesen Bildstock gebaut, wie Josef Ederer (Rossbauer) bei den Renovierungsarbeiten in den 1970er Jahren feststellen konnte. (Ein Bildstock sieht so aus wie die "Wirtskapelle" in Katzbach). Laut Schreiben vom bischöflichen Ordinariat in Regensburg gibt es keine Unterlagen darüber, dass in Katzbach jemals eine Kapelle geweiht wurde.

In der Zeitung Bayerwald Echo Samstagsausgabe vom 23. 2. 1963 wurde berichtet, dass die Katzbacher Mutter Gottes am 18. 2. 1963 aus der Kapelle gestohlen wurde.



Das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren mit dem Aktenzeichen – 2 Js 3924/63 erbrachte vorerst keine greifbaren Ergebnisse. Erst 8 Jahre später tauchte die Marien-Figur wie durch ein Wunder in der Normandie in Frankreich wieder auf, war allerdings schwer beschädigt. Es fehlte die linke Hand, das Jesuskind war abgebrochen und die geschnitzte Krone des Marienhauptes war verschwunden. 

Der Rossbauern Sepp mit seiner Ehefrau Elisabeth ließen die Figur nachdem sie wieder im Besitz der ursprünglichen Eigentümer war, in Grafenkirchen durch den Holzschnitzer Karl Simeth sen. restaurieren und neu fassen. Da der Restaurator seinerzeit nicht wissen konnte, dass es sich um eine Dorfnerin handelt, gab er der Madonna ein etwas anderes Aussehen. Eine Krone mit spitzen Zacken, ein Zepter in die neu geformte Hand und ein Jesuskind ohne Krone, dass dem Ursprünglichen kaum ähnlich ist.

Trotzdem konnte die Figur wieder hergestellt werden. Sie fand vorübergehend ihren Platz im Herrgottswinkel des Bauernhauses und nachdem die Kapelle restauriert war, wurde sie wieder an ihren angestammten Standort gebracht.



Dr. Albrecht A. Gribl, Oberkonservator im bayerischen Nationalmuseum München schreibt in einem Brief v. 12. 10. 1987 an Josef Ederer Katzbach 33 und bestätigt anhand eines Fotos, dass es sich bei der Katzbacher Holzfigur eindeutig um eine Dorfnerin handelt.

Der Direktor des Amtsgerichts Straubing schreibt am 1. 2. 1988, dass das Strafverfahren gegen Klein Reinhard mit dem Aktenzeichen Ds196/63 wegen Hehlerei durch Urteil des Amtsgerichts Straubing v. 6. 3. 1964 mit einem Freispruch endete. Bei der Staatsanwaltschaft Amberg wurde das Verfahren geführt unter 8 Js 761/63. Die Ermittlungs- und Gerichtsakten konnten nirgendwo mehr aufgefunden werden. 

In einem Zeitungsartikel v. 17. 5. 2003 in der Chamer Zeitung mit der Überschrift „Maria Dorfen - bei uns daheim“ schreibt Josef Menath, über die Geschichte der Dorfnerinnen in unserer Gegend einen kleinen Bericht. (unten Hochaltar Maria Dorfen).





Die Dorfner Madonna schmückt seit 1990 auf dem Erinnerungsband der Festmutter Elisabeth Ederer als wertvolle Stickerei die Fahne der FFW Katzbach.
Außerdem wurde das Abbild der Madonna im Familienwappen der Ederer Katzbach in der einen Hälfte des Wappenschildes und als Helmzier verwendet. (siehe unten) 

 
 
© by Josef Ederer Katzbach 33, Dez. 1998