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Sieglinde Ederer, Rossbäuerin in Katzbach, ausgebildete Kräuterpädagogin, erklärt die bei uns wachsenden Un-Kräuter, deren Nutzen und Nährwert.

 

„Giersch hat mehr Vitamin C als Zitrone“

„Was wächst denn da“ – Mit der Kräuterpädagogin Sieglinde Ederer durch Feld und Flur

Zeitungsbericht in der Bayerwald Echo vom Samstag den 24. 9. 2005 von Thomas Dietz, MZ

Die Bäuerin Sieglinde Ederer aus dem Böhmerwald ist im Nebenberuf ausgebildete Kräuterpädagogin. Damit besitzt sie neben Ihrer Landwirtschaft ein zweites Standbein und ist „Bäuerin mit Spezial-Auftrag“. Diese tüchtigen und kreativen Landfrauen wollen wir Ihnen an dieser Stelle in loser Folge vorstellen, so der Beginn des Zeitungsberichtes

Alles ist so saftig grün und gesund hier! Wer den Bauernhof von Familie Ederer (Rossbauer) in Katzbach bei Geigant betritt, mag ins Schwärmen kommen. Der Hof mit 130 Rindviechern liegt in lieblicher Böhmerwaldlandschaft, überall blühen Blumen man züchtet sogar 25 (!) verschiedene Tomatensorten. Nero, der schwarze Hofhund, springt zur Begrüßung im Zwinger umher, während im Hintergrund die gelbe Oberpfalzbahn durchs Bild fährt.

Auf Holzbank und Tisch im Garten stehen Fläschchen mit Wohlfühlöl und Bärlauchessig, Wildkirschlikör und Holundergelee. Eine Karaffe Apfelsaft mit Giersch, ein Teller mit belegten Broten – Vogelmierenquark mit Gänseblümchen. Derweil spannt Josef (14) einen weißen Schirm gegen die heiße Septembersonne auf.

Das ist hier die ideale bayerische Landschaft, deretwegen Feriengäste von weither anreisen. Die liebenswürdige Sieglinde Ederer (35), dreifache Mutter und ein echtes Landkind, ist nicht nur Bäuerin, sie ist auch ausgebildete Kräuterpädagogin. Nun wird in der Landwirtschaftsabteilung der Regierung der Oberpfalz aber amtsdeutsch gesprochen, und dort heißt das Ganze „Einkommensalternativen in der Landwirtschaft, mit denen Einkommensrückgänge durch die EU-Agrarpolitik ausgeglichen werden können“. Wir freuen uns lieber über tüchtige „Bäuerinnen mit Spezialauftrag“. Sieglinde Ederer und ihre Kolleginnen machen regelmäßig Kräuterwanderungen durch Wald, Wiese und Flur. Die oberpfälzischen „Ethno-Botanikerinnen“ (!) haben sich zu der originellen „Un-Kräuterschule“ zusammengeschlossen.

„So was wächst bei uns nicht!“, glauben viele Teilnehmer anfangs, sagt Sieglinde Ederer. „Ich zeige Ihnen, wi9e man Kräuter erkennt, wofür sie gut sind. Dann ist das Erstaunen groß über die Vielfalt der Natur. Manche sagen am Ende: „Vorher hab ich gar nix gesehen, bin nur drübergetrampelt.“. Wohl gibt es schöne Bücher: „Was wächst denn da?“, aber das Wissen über unsere heimische Natur nimmt ständig ab: „Wer weiß schon noch, dass der Giersch sieben Mal mehr Vitamin C besitzt als eine Zitrone?“, fragt Sieglinde Ederer und nimmt einen großen Schluck vom selbst gemachten Apfelsaft mit Giersch. Sie will nicht nur Rezepte weitergeben, nicht nur, wie man Löwenzahnsalat, Bärenklau süß-sauer oder Wildfrüchte-Tiramisu macht. Die junge Bäuerin spürt durchaus einen naturkundlichen Spezial-Auftrag. Bei ihr lernt man auch, wie man ein „Gute-Träume-Kissen“ näht (mit Baldrian- und Hopfenfüllung) und die Natur mit Respekt behandelt.

Das Programm der „Un-Kräuterschule“ gibt s im Landwirtschaftsamt Cham (09971/485-0). Es umfasst Kochen mit Wildkräutern und –früchten, Wanderungen, Naturfloristik, Seminare und Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Gute „Unkräuter“-Seiten: www.unkraeuterschule.de 
 
© by Josef Ederer Katzbach 33 Dez. 2005