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Stellv. Landrat Herr Wagner und Frau Dr. Rita-Maria Sagstetter bestellen Josef Ederer erneut zum Kreisarchivpfleger

 

Öffentliche Auftritte sind das Seine nicht. Dann schon lieber das stundenlange Studieren von alten Dokumenten. Am Dienstag Vormittag machte Josef Ederer aber eine Ausnahme und ließ sich für weitere fünf Jahre als Kreisarchivpfleger verpflichten.

Und das, obwohl „es manchmal schon ein hartes Brot ist“, wie der Katzbacher bereitwillig zugab. Dann aber gebe es Momente, in denen „du merkst, dass was vorwärtsgeht“. Weil die Gemeinden mitziehen (Ederer wies mehrfach ausdrücklich auf eine spürbare Weiterentwicklung und zunehmende Sensibilisierung hin) oder, weil ihm von seinen beiden Landkreiskollegen oder dem Staatsarchiv so gut weitergeholfen wird. Gerade letzteres habe ihn manches Mal davor bewahrt, einfach hinzuschmeißen. Und natürlich sei ihm als passioniertem Heimatforscher – mit „Nebenjob“ Kreisheimatpfleger – in den vergangenen fünf Jahren manch Spannendes untergekommen.

Dankbare Kommunen

Wie bei seiner ersten Bestellung vor fünf Jahren nahm Vize-Landrat Markus Müller diesen wichtigen Termin wahr, „eine gute Fortsetzung“, bemerkte er. Die Arbeit der Kreisarchivpfleger sei von hohem Wert, in geschichtlicher und dokumentarischer Hinsicht. Als Bürgermeister (von Neukirchen beim Heiligen Blut) könne er zudem aus anderer Perspektive sagen, wie froh die kommunal Verantwortlichen für die Unterstützung, Beratung und Anleitung seien.

Die Aussage „Ohne Herkunft keine Zukunft“, treffe insbesondere auch auf Gemeindearchive zu, betonte Müller. „Sie geben den Gemeinden ein kulturell-historisches Gesicht“, wandte er sich direkt an Josef Ederer und seine beiden Kollegen Heinz Lautenschlager und Werner Perlinger, der sich für den Termin entschuldigen musste.

Müller ist bewusst, dass nicht alle der 39 Landkreiskommunen das Thema Archiv so bespielen würden, wie sich das Trio das wünschen würde. „Bei manchen ist noch gut Luft nach oben.“ Umso mehr dankte der Vize-Landrat Josef Ederer stellvertretend „für das Bohren dicker Bretter“. Spätestens, wenn man selbst etwas suche, wisse man die Arbeit zu schätzen.

Archivdirektorin Dr. Rita Maria Sagstetter (im Bild vorne rechts) hatte nicht nur für Josef Ederer ein Lob dabei („Ich hab mich gefreut, dass er weitermacht, die Zusammenarbeit ist sehr, sehr gut“), sondern auch für den Landkreis. Dieser sei gut aufgestellt und leiste sich als einer von nur zweien im Bezirk Oberpfalz drei Kreisarchivpfleger.

Sie erläuterte die umfangreichen Aufgaben eines Archivars. Angefangen von Prüfung und Übernahme der Verwaltungsunterlagen aus der Registratur oder aus privaten Sammlungen, Nachlässen oder Vereinsgeschichten ins Archiv, das Führen der Inventur bis hin zum Zugänglichmachen für Anfragen reiche. Diese würde durch Datenschutz und Digitalisierung – ganz generell eine Riesenherausforderung – zunehmend schwieriger, ist aber wichtige historisch-politische Bildungsarbeit.

„Ein Archivar muss voll und ganz in der Gegenwart verankert sein“, verdeutlichte die Leiterin des Staatsarchivs Amberg, dass der Blick bei weitem nicht nur zurückgehe. Ganz aktuell habe ihr Haus Schulen, Gerichte und Ämter angeschrieben, um Dokumente rund um die Pandemie jetzt schon mit dem Stempel „Ins Archiv“ zu versehen. Ähnlich wichtig sei es, die Zeitgeschichte zum Thema Flüchtlinge oder die Veränderungen an der Grenze zu dokumentieren. „Das Archiv hört nicht auf“, wollte sie ins Bewusstsein führen und wünschte, dass Archive als Erlebnisorte wahrgenommen würden.

Oft übersehen werde auch, dass gerade die Gemeindearchive – allesamt einmalig – oft für die Klärung rechtlicher Fragen von großer Bedeutung seien. Den Bürgermeistern dies beizubringen, sei nicht immer einfach, wusste auch sie, „aber Offenheit ist ein guter Anfang“. Und auch, Nachwuchs für diese Aufgaben zu finden, sei bayernweit nicht einfach.

Studienarbeit im Rahmen des Master-Studiums von Simon Wagner zum Thema:

An diesem Punkt kam erneut Josef Ederer ins Spiel, der die Masterarbeit von Simon Wagner aus Geigant zum Thema „Die Zukunft des Archivwesens im Landkreis Cham - Interkommunale Zusammenarbeit und Digitalisierung“ vorstellte. Durch den gemeinsamen Einsatz einer Fachkraft könnten nicht nur Sach- und Personalkosten gespart, sondern auch die Qualität gesteigert werden, zitierte Ederer den 25-jährigen Geiganter, der im Landratsamt im Sachgebiet Kommunales arbeitet, dem auch das Archivwesen zugeordnet ist.

                                            Rechts: Simon Wagner aus Geigant, der Verfasser der Studienarbeit

29 der 39 Gemeinden im Landkreis zählten weniger als 3000 Einwohner, was meist zur Folge habe, dass das Archiv „nebenbei“ betreut würde. Dabei sei die Arbeit sehr zeitintensiv. Oft seien zudem die Anforderungen – Stichwort Digitalisierung – die gleichen. Durch Kooperationen würden die Archive, die eigenständig bleiben sollen, nachhaltig gestärkt, kamen Wagner und Ederer zum gleichen Schluss.

In anderen Landkreisen gäbe es bereits positive Beispiele. Künftig denkbar wären gemeinsame Räume –  ein hoher Kostenfaktor wegen der speziellen Klima- und Sicherungsbedürfnisse. Nicht zu unterschätzen sei zudem die Signalwirkung eines entsprechenden Schulterschlusses, der große Bedeutung hätte: Die Archivarbeit ist uns etwas wert. Das war aber auch am Dienstag schon herauszuhören.

Text und Fotos: Frau Petra Schoplocher.

© by Josef Ederer, Katzbach 33, 93449 Geigant im Oktober 2020