^ nach ^ oben

logo

Katzbacher Dorfgemeinschaft beteiligte sich am historischen Festumzug in Waldmünchen am Sonntag den 14. 7. 2019

Gleich zwei Wägen wurden an den Schlepper angehängt. Auf dem ersten wurde dargestellt, wie man halbierte Baumstämme so aushöhlt, dass sie als Dachrinnen verwendet werden können. Die alten Schoartrapfn wurden mit einem gekrümmten Schabeisen so weit als Rinnen ausgestemmt, dass sie das Wasser, das früher meist von den ehemaligen Schindeldächern kam, abführen konnten. Vorgeführt haben dieses Handwerk auf dem ersten Wagen Michael Ederer, Sandwiese und Herbert Schichl aus Häuslarn.

Auf dem zweiten hinteren Festwagen konnten die am Straßenrand stehenden Festbesucher bewundern, wie in vergangenen Zeiten aus langen Holzstämmen Wasserleitungen gebaut wurden. Im Bayerischen Wald wurde früher eben alles aus Holz gemacht. Die letzten Holzwasserleitungen, die existierten, sind in Kühnried aufgefunden worden. Beim Straßenbau in den 1960er Jahren zwischen dem Bartl und dem Hans-Girg hat der Bagger noch intakte Holz-Wasserleitungen ausgegraben.

Wie wurden nun solche Wasserleitungen aus Holz gefertigt? Es gab Bohrer, die man seinerzeit als Eiger bezeichnete in verschiedenen Längen und Durchmessern. Die längsten Eiger (Löffelbohrer) maßen bei uns in der Gegend ca. 4 Meter mit einem Lochdurchmesser von ca. 1 – 2 Zoll. Die Eiger wurden in der Regel von 2 Mann geführt bzw. gedreht, wobei der zu bearbeitende Holzstamm mit eisernen Bauklammern so befestigt wurde, dass er stabil auf den Werk-Böcken lag und sich nicht mitdrehen konnte, wenn der Eiger durch das Holz fuhr. Die Bohrwerkzeuge wurden per Hand geschmiedet und geschärft. Diese Technik ist bereits 2500 Jahre lang bekannt und erstmals bei den Römern nachgewiesen worden. In früherer Zeit wurden diese Holzwasserleitungen Pipen genannt.

Die Verbindungen zwischen den Holzröhren wurden mit geschmiedeten Eisen-Ringen durchgeführt und dann mit Pech verschmiert, damit sie dicht waren. In der Regel verwendete man dazu nicht entrindete Buchen- und Eichenhölzer. Sie wurden nicht rissig und hielten beständig, wenn sie in der Erde verlegt wurden. Die Röhren wurden nicht sehr tief eingegraben, denn es dauerte lange, bis sich der Frost durch einen Holzstamm fraß, so dass das Wasser auch in der Kälteperiode ungehindert fliesen konnte. Die in Kühnried aufgefundenen Holzröhren waren keinen halben Meter tief in der Erde.

Vorgeführt haben diese Holzröhrenbearbeitung Stefan Zisler, der als Inhaber der Katzbacher Zimmerei das Holz und die Wägen zur Verfügung gestellt hat. Mit auf dem zweiten Wagen waren der Zimmerergeselle Maximilian Rückerl und Claus-Peter Rückerl von der Sandwiese, sowie Daniel Schichl, Christian Deml, und Tobias Pfaffl aus Häuslarn.

© by Josef Ederer Katzbach 33, Aug. 2019