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Briefprotokolle nennt man die Quellen, die die Lebensumstände unserer Vorfahren beschreiben.

Sie haben sich im 16. Jahrhundert aus dem Urtyp der Gerichtsprotokolle herausgebildet. Die Pfleg- oder Landgerichte der Landesherren, die Hofmarksgerichte des Adels, die Hochstifte und Klöster haben die Eheschließungen, Hofübergaben, Austragsleistungen, Erbteilungen, Käufe, Tauschaktionen, Quittungen, Obligationen usw. aufgeschrieben (beschrieben sozusagen). Die Briefprotokolle entsprechen unseren heutigen Notar-Urkunden. Die Notariate wurden allgemein aber erst ab 1862 eingerichtet.

Die Existenz der Briefprotokolle beginnt für unser zuständiges Pfleg-Gericht Waldmünchen, also für die ehemalige Gemeinde Katzbach im Jahre 1699. In anderen Gerichten und/oder Hofmarken fangen sie meist zum Ende des 30-jährigen Krieges an, also ab ca. 1648. In Original-Handschriften zu finden und zu sichten ist das für Katzbach relevante Schriftgut im Staatsarchiv Amberg. In den seltensten Fällen sind diese Verbriefungen noch auf den Anwesen selber erhalten geblieben.

Anhand dieser Unterlagen lassen sich in unserem ehemals bäuerlich geprägten Bereich beispielsweise die Hofübergaben und Hochzeiten nachweisen. Damit können Haus- und Hofforscher die Besitzer der Anwesen bis mindestens um das Jahr 1699 zurückverfolgen, zu einem kleinen Teil sogar noch länger. Außerdem stecken sehr viele Details in diesen überlieferten Aufzeichnungen, die ansonsten für unsere lokale Geschichte im Verborgenen schlummern würden.

Damals wie heute wurden und werden die wichtigen Dinge schriftlich „verbrieft“. Daher leitet sich der Name „Briefprotokolle“ ab.

Neben den Generationsfolgen können anhand dieser Protokolle die Lebensmittel und Früchte bestimmt werden, die bei uns angebaut wurden. Zum Großteil waren unsere Vorfahren Selbstversorger und mussten sich von dem ernähren, was die landwirtschaftlichen Güter und Sölden abgeworfen haben. Bei uns fanden sich z. B. Flachs, Hafer, Weizen, Roggen, Gerste, Erdäpfel, Kraut, Bohnen und Rüben oder Erbsen auf unseren vormaligen Feldern. Seltener ist beschrieben, was an Gemüse in den sogenannten „Sam- und Wurzgärten“ beim Haus heranwuchs.

Wegen des Anbaues dieser Früchte sind die dazu notwendigen Werkzeuge sowie die Fuhrwerke be- und verschrieben, mit denen gesät, gearbeitet und geerntet wurde. Angefangen von den Rifflkampen, Eggen, bis hin zu den Pflügen, Webstühlen, Leiterwagen, Steinschuss- und Holzhauerwerkzeugen, Sensen, Sicheln usw.

Weil diese Sachen aufgeschrieben wurden, können wir uns heutzutage vorstellen, wie enorm wichtig diese Dinge früher einmal waren, wenn wir sie heute auch manchmal geringschätzen.

Unsere Nutztiere sind darin abgebildet. Von den Rindern, Schafen, Ziegen, Gänsen, Hühnern, Schweinen, Pferden, Hunden und Bienen lesen wir in diesen Unterlagen.

Nicht zu vergessen sind die Größen der Anwesen, die über Jahrhunderte fast nicht verändert worden sind, also vom kleinsten Tripfhäusl bis zum großen, ganzen Hof. In diesem Zusammenhang erfahren wir viele örtliche Flurnamen der einzelnen Grundstücke, die größtenteils heute noch ganz genauso existieren.

Finden kann man ebenfalls die bis heute erhalten gebliebenen Hausnamen der Anwesen, obwohl die Familiennamen oft gewechselt haben.

Die Briefprotokolle verweisen auf die soziale Verantwortung innerhalb der einzelnen Gehöfte, und/oder innerhalb des Dorfes. So wird die Versorgung der Alten in den Ausnahmsbriefen oder die Versorgung von Behinderten und/oder Waisen peinlich genau beschrieben, teilweise sogar bis weit hinein ins 20. Jahrhundert.

Eine Kranken- und Rentenversicherung im heutigen Sinne hat es nicht gegeben. In den sogenannten Heiratscontracten wurden die Erbregelungen für den Fall des Ablebens eines Partners genau geregelt und die Absicherung der Mitgift bzw. das Heiratsgut der Einheiratenden aufgezeigt.

Daneben taucht eine Vielzahl von weiteren Personen auf, die größtenteils ebenfalls in der Gemeinde oder im näheren Umfeld zu finden waren. So zum Beispiel die Zeugen, die zu jedem Vertragsabschluss hinzugezogen worden sind, oder aber die Angehörigen die den Hochzeiten beiwohnten oder aber die Männer, die für die Frauen und Waisen/Halbwaisen die Vormundschaft übernehmen mussten.

Obwohl es dem Leser der Protokolle so erscheinen könnte als hätte es sich um das Eigentum der genannten Personen gehandelt, war dem absolut nicht so! 

Die Anwesen wurden immer nur erbrechtsweise übergeben. Das Obereigentum lag bei den Grundherren, und diese konnten sowohl damit, als auch mit den Leuten, die darauf „saßen“, machen, was sie für gut hielten. Dieses Lehenwesen wurde bereits im Mittelalter eingeführt und existierte über Jahrhunderte hinweg.

Erst mit den radikalen Verwaltungs-Reformen des Grafen Montgelas, also mit Beginn des bayerischen Königreichs im Jahre 1805 konnten die Gehöfte allmählich ins „wirkliche Eigentum“ der Besitzer übergehen, wobei selbstverständlich dem Staat Ablösungen gezahlt werden mussten.

Durch diese Vielzahl von Informationen ergibt sich daraus für unsere ländliche Dorfgemeinschaft ein aufschlussreiches Bild der beschwerlichen Lebensweise von anno dazumal.

In den meisten Publikationen kann man nur das Datum und die Namen bei Übergaben nachlesen, begründet dadurch, dass die vielen Verträge in einem Print-Medium den Rahmen völlig sprengen würden. Allein Im Fall der Altgemeinde Katzbach ist die Anzahl der bisher „übersetzten“ Briefprotokollseiten so umfangreich, dass sie mindestens ein stattliches Buch füllen würden.

Mit Daten und Namen allein lassen sich aber schlecht bzw. fast gar nicht die vielen verschiedenen Einzelheiten darstellen, die erst aufleuchten, wenn das gesamte Dokument bekannt gemacht und gelesen wird. Treffend heißt es bei Goethes Faust: „Namen sind nur Schall und Rauch“.

Sehr interessant sind die Vergleiche zur heutigen Zeit. So zum Beispiel der damalige Wert der verschiedenen Währungen, Gewichte oder Maßeinheiten, wie z. B. Gulden, Thaler, Scheffl, Metzen, Ell, Pfund, Loth, Elle, Fuß usw. Nicht zu vergessen die Abgaben, Zehente und Scharwerkdienste der einzelnen Gehöfte an die Obrigkeit. Die Veränderungen in den meisten Dingen sind enorm, aber es gibt Sachen, die haben sich überhaupt nicht geändert. Nehmen wir beispielsweise den Wert einer Kuh, der ist damals wie heute ungefähr gleich groß.

Diese historisch wertvollen Briefprotokolle hat Josef Ederer, Katzbach 33 in jahrelanger Arbeit für die ehemalige Gemeinde Katzbach transkribiert und jeweils unter den einzelnen Anwesen hier veröffentlicht. Danken möchte ich an dieser Stelle meinen Heimatforscherkollegen Hans Haimerl, Ludwig Baumann, und Clemens Pongratz, die mir hilfreich zur Seite gestanden haben.

Somit kann jeder der möchte, die geschichtlichen Details sowohl seines eigenen Anwesens und die des restlichen Dorfes jederzeit nachlesen, ohne sich dazu die oftmals schwer zu entziffernden Handschriften aneignen zu müssen. Wörter, die sich dem Autor nicht erschlossen haben, sind in Roter Schrift gekennzeichnet.

Es gab keine Schreibmaschine, mit Hand mussten die Schreiber alle Aufzeichnungen verfassen, folglich kürzten sie ab, wo es nur ging. Je älter die Dokumente, desto mehr Abkürzungen finden sich. Außerdem waren Papier und Tinte sehr teuer. Deshalb sind viele Wörter mit [eckigen Klammern] ergänzt, um den Sinn leichter erschließen zu können.

Zu Beginn eines jeden Transkripts ist ein Link angegeben, der die Begriffe, die es heutzutage zum Großteil nicht mehr gibt, ausführlich erklärt. Dann gab es keine Rechtschreibung im heutigen Sinne. Teilweise sind Details im Dialekt niedergeschrieben. Andererseits haben die Schreiber von damals mit vielen Einwürfen in lateinischer Sprache diese Dokumente „gespickt“.

Mit diesem Link wird gewährleistet, dass jeder Leser verstehen kann, um was es in diesen überlieferten Texten eigentlich geht. Denn ohne diese Erklärungen tut sich der geschichtliche Laie möglicherweise schwer, das Schriftgut vollständig zu „entziffern“

Aufzurufen sind all diese Dokumente unter der Rubrik Häuser. Der Link dazu:

http://www.katzbach.com/index.php/geschichtliches/ueber-das-dorf

Beim Anklicken der jeweiligen Hausnummer öffnet sich der jeweilige Artikel, in dem die Briefprotokolle zu finden sind.

Der Autor wünscht viel Spaß beim Lesen und steht für alle Fragen jederzeit gerne hilfreich zur Verfügung. Diese und viele andere Original-Handschriften sind auf Wunsch nach Vereinbarung im Privatarchiv des Autors einzusehen.

© by Josef Ederer Katzbach 33, März 2018